Omikron: Expertenrat empfiehlt Lockdown ohne evidenzbasierte Daten aus Südafrika zu berücksichtigen


Neuer 19 köpfiger Corona Expertenrat lässt viel versprechende empirische Omikron Daten aus Südafrika bei seiner ersten Stellungnahme unberücksichtigt. Lediglich aufgrund von geheimen Modellrechnungen werden harte Kontaktbeschränkungen wegen Omikron eingefordert.


In einer argumentativ dünnen und nur 3 seitigen Stellungnahme vom 19.12.21 skizziert der neu ins Leben gerufene Expertenrat eine überaus gewaltige Drohkulisse. Ohne einschneidende Lockdown Maßnahmen, die über die Booster-Strategie hinaus gehen, sei nach Darstellung des Expertenrates die Lage aufgrund der neuen Variante Omikron nicht zu bewältigen. Infektionskontrollen und Kontaktbeschränkungen sollen massiv ausgebaut werden. Als Begründung gibt der Expertenrat u.a. folgendes an:

"Die kürzlich identifizierte Omikron-Variante bringt eine neue Dimension in das Pandemiegeschehen ... Dies kann zu einer explosionsartigen Verbreitung führen: In Dänemark, Norwegen, den Niederlangen und Großbritannien wird bereits eine nie dagewesene Verbreitungsgeschwindigkeit mit Omikron-Verdopplungszeiten von etwa 2-3 Tagen beobachtet."
"Es ist bisher nicht davon auszugehen, dass im Vergleich zur Delta-Variante Menschen ohne Immunschutz einen milderen Krankheitsverlauf aufweisen werden."

Das Erstaunliche: Nachweise oder Belege für diese apokalyptische Darstellung liefert der neue Expertenrat dafür nicht. Der Expertenrat verweist hierzu lediglich schmallippig und intransparent vage auf Modellierungen:

"Nationale und internationale Modellierungen der Infektionsdynamik und möglicher Spitzen Inzidenzen zeigen eine neue Qualität der Pandemie auf. Die in Deutschland angenommene Verdopplungszeit der Omikron-Inzidenz liegt aktuell im Bereich von etwa 2-4 Tagen."

Quellen hierzu werden nicht angegeben. Ebenso keine Erläuterungen und schon erst recht nicht die originalen Berechnungsgrundlagen. Selbst auf Anfrage wurden von Seiten der Bundesregierung keine weiteren Daten genannt oder herausgegeben.


Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung will die Bundesregierung so nicht mitteilen, welche Modellrechnungen den neu eingesetzten Corona-Expertenrat zu seinen Empfehlungen gebracht haben.

"Die Beratungen des Expertengremiums der Bundesregierung zu Covid-19 sind vertraulich. Die Vertraulichkeit umfasst auch die den Beratungen zugrunde liegenden Unterlagen"

Vertrauliche Beratungen sind eine Sache. Am Ende vertraulicher Beratungen hat die Öffentlichkeit jedoch ein Recht auf Einsicht in die Datengrundlage für die Entscheidungen. Dies gilt umso mehr, wenn es empfindlich und nachhaltig um Eingriffe geht, welche die Grundrechte aller Bürger betreffen.


Auf Twitter fordert deshalb Prof. Homburg die Publikation der Modellrechnungen.

https://twitter.com/SHomburg/status/1472993676406181889
https://twitter.com/SHomburg/status/1472993676406181889

Auffallend bei der Stellungnahme des Expertenrates:


Wieder wird nur mit Infektionszahlen und Worst-Case-Szenarien argumentiert. Wertvolle empirische Erkenntnisse der letzten Wochen hinsichtlich eines milderen klinischen Verlaufes mit weniger Krankenhaus-aufenthalten, geringeren Intensivfällen und sehr geringen Todesfallzahlen werden ausgeblendet.


Der Expertenrat verweist lediglich auf Modellierungen. Die Datengrundlage hierzu wird nicht herausgegeben.





Alle 19 Mitglieder haben der Stellungnahme zugestimmt.


Warum werden keine empirischen Daten aus Südafrika und aus EU Ländern für die Entscheidungsfindung angemessen berücksichtigt?


Empirische Daten sind Modellrechnungen an Evidenz haushoch überlegen. Sie sind nicht an menschliche Annahmen und vorgegebene Einstellparameter gekoppelt. Empirische Daten zeigen vielmehr das Ergebnis einer hochkomplexen Realität. Dies gilt selbst dann, wenn nicht alle Einflüsse und Parameter bekannt sind. Sie sind deshalb immer Modellrechnungen vorzuziehen. So ist es kein Wunder, dass auch der wohl bekannteste und meist zitierte Epidemiologe dieser Zeit - John Ionannidis - auf die geringe Evidenz von Modellrechnungen hinweist.


Im Omikron Ursprungsgebiet Südafrika werden seit Wochen klinische Daten aufwändig ausgewertet und zeitnah publiziert. Sie sprechen eine klare Sprache und deuten trotz hoher Fallzahlen auf weitgehend milde Verläufe hin.


Aus der Stellungnahme des Expertenrates ist jedoch an keiner Stelle erkennbar, inwieweit empirische Daten in die Entscheidungsfindung des Expertenrates eingegangen sein könnten. Sie werden weder dargestellt, noch erläutert, noch bewertet. Man weiß nicht einmal, ob die empirischen Daten im Expertenrat vorgestellt und diskutiert wurden. Dies wäre aber unbedingt erforderlich gewesen angesichts der deutlichen Kernaussage empirischer Daten zu Omikron.


Südafrikas Case-Fatality-Rate für Covid fällt seit Omikron


Die CFR Rate gibt an, wieviele Todesfälle auf 1.000.000 Covidfälle (positiv Getestete) kommen.


Omikron in Südafrika: Case Fatality Todesrate auf historischen Tiefstand

JHU Daten, Covid Case Fatality Rate Südafrika - Historischer Tiefstand von 0,20%, 19.12.21
JHU Daten, Covid Case Fatality Rate Südafrika - Historischer Tiefstand von CFR 0,20% Todesrate, 19.12.21

Südafrikas Case-Fatality-Todesrate CFR rauscht in nur knapp 4 Wochen von einem beinahe Höchststand auf einen historischen Tiefstand herab:


27.11.21: CFR 9,55% Todesfälle je 1.000.000 Covidfälle.

19.12.21: CFR 0,20% Todesfälle je 1.000.000 Covidfälle


Der Absturz entspricht aktuell Faktor 47. Die CFR Todesrate war folglich 4 Wochen zuvor 47x höher als heute am Tag der Stellungnahme des Expertenrates.


Auswirkung des Omikron Ausbruches in Südafrika auf die Todesfälle im Vergleich zu Deutschland am 19.12.21


Am 19.12.21 gibt es in Deutschland 4,42 Covid Todesfälle, in Südafrika nur 0,50 Todesfälle je 1.000.000 Einwohner. Der aktuelle Omikron Ausbruch hat sich - bisher - nicht negativ auf die Todesfälle ausgewirkt.


Die Covid Todesfälle in Deutschland liegen derzeit Faktor 9 über denen aus Südafrika.


In der rechts stehenden Grafik sieht man den Anstieg der positiv Getesteten (blauer Bereich) bei gleichzeitig starkem Abfall der Todesfälle (rote Linie).

Übersetzt: Weniger Tote trotz vieler Fälle => milde Variante.


Das heißt aktuell gibt es um Faktor 20 weniger Todesfälle als bei früheren anderen Varianten.


Der 7-Tages-Schnitt für Todesfälle ist für Südafrika der niedrigste seit Mai 2020.


Die Johns Hopkins University Daten sind bereits anteilsbereinigt und geben die Quoten je 1.000.000 Einwohner an.


Weniger Krankenhauseinweisungen, weniger Intensivfälle


Nicht nur die extrem niedrigen Todesfallzahlen, sondern auch die anderen absoluten und relativen Zahlen zeigen, dass Krankenhäuser und Intensivstationen nicht überbelastet sind. Wir berichteten bereits darüber.


Aktuelle Südafrika Omikron Situation am 19.12.:


Krankenhaus: 45% Belegung im Vergleich zur Delta Welle

Intensivbetten 22% im Vergleich zur Delta Welle

Beatmung: 16% im Vergleich zur Delta Welle


https://twitter.com/thehowie/status/1472563923010428929


Geringe Hospiz- und Todesfallraten, obwohl nur ein Viertel der Südafrikaner geimpft ist


Nur 26% der Südafrikaner sind voll geimpft. Das zeigt, dass Omikron auch ohne Impfung zu keinen Überlastungen der Krankenhäuser in Südafrika geführt hat. Das südafrikanische Gesundheitssytem ist nicht vergleichbar gut aufgestellt als das deutsche. Dennoch kommt Südafrika gut mit der Omikron Situation zurecht - besser als Deutschland ohne Omikron. Die deutsche Impf- und Maßnahmenstrategie scheint folglich alles andere als alternativlos. Den Daten nach ist sie sogar kontraproduktiv oder zumindest der südafrikanischen (und z.B. schwedischen) unterlegen.


Wie sieht die aktuelle Entwicklung der Neuinfektionen in Südafrika im Vergleich zu Deutschland aus?


Nach Johns Hopkins Daten liegen am 19. Dezember in Deutschland die täglichen Neuinfektionen bei 454, von Südafrika bei 334 täglichen Neuinfektionen je 1.000.000 Einwohner. Obwohl Südafrika seit vielen Wochen Omikron dominiert ist, liegt die Inzidenz niedriger als im geboosterten Deutschland. Sowohl in Deutschland als auch in Südafrika fällt zudem seit einigen Tagen die Inzidenz.


Es war in Südafrika ein starker Anstieg an Neuinfektionen zu verzeichnen. Die Zahlen liegen aber aktuell nur etwas über den Delta Werten im Juli. Und sie liegt immer noch weit unter dem deutschen Spitzenwert. Die Lage hat sich folglich in den letzten Wochen bei den Neuinfektionen gegenüber bisherigen Ausbrüchen nicht wie von den Medien befürchtet entwickelt. Von einem exponentiellen Wachstum kann nicht im entferntesten die Rede sein.


Warum weist der Expertenrat hierauf nicht deutlich hin?


Fast zeitgleicher Anstieg/Abfall der Neuinfektionen mit den Testzahlen


Diese Grafik zeigt den Verlauf der Anzahl der eingesetzten Tests. Man kann sehr deutlich sehen, dass mit Zunahme der Test auf die Neuinfektionen gestiegen sind. In den letzten Tagen gab es einen kleinen Abfall der Testzahlen und somit auch der Neuinfektionen. Neuinfektionen bedeuten erstmal positiv Getestete. Nicht alle werden krank oder zeigen Symptome. Es ist zudem mit vielen falsch positiven Fällen zu rechnen. Der zeitgleiche Anstieg und Abfall zeigt, dass die Anzahl der "Neuinfektionen" auch mit der Testanzahl korreliert.


Wie sieht es im vom Expertenrat zitierten Großbritannien aus?

Großbritannien UKHSA Omikron Daten 19.12.21


Am 18. Dezember sind für Großbritannien 37.101 Omikron Fälle gelistet.

Davon befinden sich 104 Fälle im Krankenhaus. Es gibt bis dato 12 Omikron Todesfälle. Sowohl die Hospiz- als auch die Todesrate sind für Omikron äußerst niedrig.


Niedrige Hospiz-Rate


Nur in 0,28% der Omikron Fälle ist eine Krankenhauseinweisung bisher notwendig gewesen.


UK CFR Todesrate für Omikron ist bis dato extrem niedrig


12 Todesfälle bei 37.101 Omikron Fällen entsprechen einer CFR Rate von nur 0,03%. Das ist derzeit somit viel tiefer als für Delta und meilenweit weg von Alpha.


Die Omikronfälle steigen derzeit rasant in UK. Krankenhaus- und Todesfälle werden demnächst auch prozentual höher ausfallen. Sie sind aber derzeit extrem niedrig. Der Vergleich mit Südafrika zeigt, dass auch bei späterer Entwicklung Hospiz- und Todesraten zwar leicht angestiegen, aber insgesamt im Vergleich zu anderen Varianten niedrig geblieben sind.


Zur Erinnerung: In UK waren auch bei Delta die Hospiz- und Todesfallraten deutlich niedriger als noch bei Alpha.


Wie sieht es im vom Expertenrat zitierten Dänemark aktuell am 21.12. aus?


Auch die Zahlen aus Dänemark lassen bis dato nicht erkennen, dass sich die täglichen neuen Omikronfälle wie behauptet alle 2-3 Tage verdoppeln. So lagen sie am 18.12. bei 3.893 Fällen, drei Tage danach am 21.12. niedriger bei nur 3.324 Fällen. Allein in diesem Punkt für diesen Zeitraum ist die Annahme des Expertenrates nicht zutreffend.


Transparenztest Resümee


Die erste Stellungnahme des Expertenrates wirkt wenig vertrauensfördernd. Eine transparente, nachvollziehbare und überprüfbare Informationspolitik sieht anders aus. Modellrechnungen, die als Begründung für Grundrechte entziehende Lockdown Maßnahmen herhalten sollen, müssen transparent publiziert werden. Alles andere ist ein wissenschaftliches und informationspolitisches NoGo.


Fundamentale Frage: Warum werden Modellrechnungen für eine sehr gewichtige Entscheidung vorrangig oder ausschließlich herangezogen, wenn belastbare empirische Daten verfügbar und übertragbar sind.


Die Parameter zur Bewertung der Gefährlichkeit/Ungefährlichkeit der neuen Variante wurden offensichtlich ausgeblendet. Es wird lediglich auf eine möglicherweise höhere Übertragbarkeit hingewiesen, nicht aber auf deutlich niedrigere Hospiz- und Todesfallzahlen.


Auch für das Argument - Impfung + Booster sind unabdingbar - werden keine Belege gebracht.


Der Vergleich von Südafrika mit Deutschland zeigt, dass im weitgehend ungeimpften Südafrika (26% vollständig geimpft) alle Werte für Neuinfektionen, Krankenhaus und Todesfälle weit unterhalb der deutschen liegen. Und das obwohl in Deutschland eine sehr viel höhere Impfquote (68% vollständig geimpft) erreicht ist. Impfung ist offensichtlich hier nicht der versprochene Gamechanger.


Unsere Tt Fragen:

  • Warum werden entscheidungsrelevante Unterlagen und Modellrechnungen nicht transparent einsehbar für die Öffentlichkeit publiziert?

  • Warum werden wertvolle empirische Daten nicht vorzugsweise berücksichtigt?

  • Warum berücksichtigt man bei der Bewertung nicht wichtige empirische Kennwerte wie Hospizraten, Beatmungsraten und CFR Todesfallraten aus Südafrika?

  • Warum gibt es kein vollständiges Quellenverzeichnis mit allen entscheidungsrelevanten Unterlagen und Daten?

  • Warum riskiert der Expertenrat durch ein solch intransparentes und offensichtlich einseitiges Vorgehen das Vertrauen der Bevölkerung zu verspielen?

 

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Quellen:

  • https://www.bundesregierung.de/resource/blob/997532/1992410/7d068711b8c1cc02f4664eef56d974e0/2021-12-19-expertenrat-data.pdf?download=1

  • https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.corona-expertenrat-regierung-gibt-modellrechnungen-nicht-heraus.7aa5e1d9-9194-4841-90e7-db5bb5faa8b0.html?utm_term=Autofeed&utm_campaign=Echobox&utm_medium=Social&utm_source=Twitter#Echobox=1640017873

  • https://ourworldindata.org

  • https://twitter.com/thehowie/status/1472563923010428929

  • https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/1042235/20211219_OS_Daily_Omicron_Overview.pdf

  • https://www.samrc.ac.za/news/tshwane-district-omicron-variant-patient-profile-early-feature

  • https://twitter.com/miamalan/status/1467172041971445761

  • https://twitter.com/cohen_brother/status/1467174911877816328

 


Bild: Unsplash NeONBRAND