Südafrikanische Variante Omikron: Nachrichtenbooster für Panik ohne Datengrundlage


Nach einer irrtümlichen Meldung der Deutschen-Presse-Agentur dpa verbreiten die großen Medien wie die SZ, die Zeit u.a. kritiklos Montgomerys Ebola Vergleich mit der neuen SARS CoV2 Variante B.1.1.529.


Seit kurzem wurde B.1.1.529 phonetisch einprägsam in Omikron umgetauft - das ist gut zu merken für schlagkräftige Headlines. Montgomerys Ebola Vergleich war eine beispiellose Panikmache und der Auftakt einer medialen Kettenreaktion. Die Folge: Zahlreiche Staaten schlossen prompt Ihre Grenzen. Der Hype um die gefährliche Omikron Mutante ist voll entfacht.


Es gibt jedoch bis dato keine empirischen Daten die auf eine erhöhte Gefährlichkeit der Omikron Variante gegenüber den bisherigen SARS CoV2 Varianten deuten. Im Gegenteil: Die ersten Patienten zeigen ausnahmslos bisher besonders milde Verläufe. Der Vergleich von B.1.1.529 mit der tödlichen Ebola Seuche ist zudem hinsichtlich der Gefährlichkeit unhaltbar und unangebracht.


Unhaltbare Schlussfolgerung aufgrund von rein hypothetischen Annahmen


Montgomerys Aussage bezieht sich lediglich auf die rein hypothetische Annahme, dass Omikron etwas mehr Mutationen aufweist und das eventuell oder möglicherweise das Virus hierdurch infektiöser und oder gefährlicher sein könnte. Das sind viele wenn und aber ohne irgendeinen empirischen Nachweis für die klinische Auswirkung. Es wird zudem vergessen, dass nach zwei Jahren Pandemie die Situation in Ländern sich grundlegend verändert hat. Großteile der Bevölkerung sind vollständig geimpft, viele Menschen haben zudem auf natürlichen Weg eine Grundimmunität erworben. Und völlig anders wie bei Ebola ist bei mindestens 20% der Bevölkerung von Kreuzimmunität auszugehen (Untersuchung der Charite). Andere Studien geben diesen Wert noch sehr viel höher an. Die SARS CoV2 Lage stellt sich somit völlig anders als für Ebola dar.


Montgomerys Ebola Vergleich: Unbedarfte Aussage oder bewusst eingefädelt?


Ungünstig sind angsterzeugende Schlagzeilen in den Mainstream Medien.


Eingeleitet durch die irrtümliche dpa Meldung mit einer solchen Schlagzeile griffen prompt die Süddeutsche Zeitung, die Zeit und andere große Medien die Aussage des Weltärztebund Vorsitzenden Ulrich Montgomery verkürzt als Schlagzeile auf.

"Montgomery warnt: Virusvariante "so gefährlich wie Ebola""
https://twitter.com/rosenbusch_/status/1464494420917723138
https://twitter.com/rosenbusch_/status/1464494420917723138

Montgomery sagte laut der SZ zu der Funke Mediengruppe:

"Meine große Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola"

Diese Aussage ist bemerkenswert evidenzlos für einen Vorsitzenden des Weltärztebundes. Denn es gibt bisher keine empirischen Daten zur Gefährlichkeit der neuen Variante, die eine solche Aussage auch nur ansatzweise rechtfertigen würden.

Bisher wurden die Varianten seit Wuhan immer weniger tödlich.

Nach den aussagekräftigen UK PHE Daten sank gegenüber der Ursprungsvariante die Case-Fatality-Rate CFR bereits bei der Alpha- und Beta-Variante. Alpha und Beta wurden im Laufe der Saison durch die Deltavariante verdrängt. Bei der Delta-Variante sank nochmals die CFR Todesrate auf meist nur 0,2%. Wir berichteten.


Selbst wenn man davon ausgeht, dass eine neue Variante wieder gefährlicher werden könnte, ist ein Vergleich mit einem der tödlichsten Viren dieser Welt wie Ebola schlichtweg unseriös. Eine Ebola-Infektion führt schnell zu inneren Blutungen und endet zu 50% tödlich. Ebola ist bekannt dafür, dass es sich nur sehr langsam ausbreitet, da die Wirte (erkrankte Menschen) so schwer erkranken oder sterben, dass sie gar nicht mehr dazu kommen das Virus in größerem Rahmen weiter zu verbreiten.


Im dpa Standardtext, der von den Medien teils unverändert übernommen wurde, wird zwar wie folgt auf Ebola hingewiesen:


"Eine Ebola-Infektion führt meist zu hohem Fieber und inneren Blutungen und endet sehr oft tödlich. Ohne Medikamente sterben rund 50 Prozent der Kranken, wobei der Anteil je nach Virusart auch deutlich darunter oder darüber liegen kann. Der bislang folgenschwerste Ebola-Ausbruch war 2014/2015 in Westafrika, damals kamen mehr als 11.000 Menschen ums Leben."


Es wird hier bewusst die niedrige CFR Todesrate für SARS CoV2 ausgeblendet. Die derzeitige CFR Rate in Deutschland von 0,63% am 27.11.21 wird nicht genannt. Weiter wird verschwiegen, dass für den zitierten Ebola-Ausbruch mit 11.000 Toten es nur sehr wenige Infizierte gebraucht hatte. Ganz anders als bei den unzähligen SARS CoV2 PCR Positiven. Die CFR Todesrate für Ebola von 50% ist zudem ein gemittelter Wert, der laut WHO auch regional teils 90% erreicht hatte.


Wir haben dies auf Twitter kommentiert:


https://twitter.com/transparenztest/status/1464576064668241924
https://twitter.com/transparenztest/status/1464576064668241924

Es ist uns rätselhaft, wie es einem Vorsitzenden des Weltärztebundes passieren kann eine Variante von SARS CoV2 auf eine Gefährlichkeitsstufe mit Ebola zu stellen.


Ebola weist laut der WHO eine der höchsten CFR-Todesraten auf.


Zum Vergleich:


Ebola: CFR 50%

SARS CoV2: aktuell 27.11. in Deutschland lt. JHU: 0,63%




https://twitter.com/LaVieVagabonde/status/1464510903207010304
https://twitter.com/LaVieVagabonde/status/1464510903207010304

Es gab nach den Montgomery Schlagzeilen zahlreiche Kritikmeldungen zur offensichtlich panikschürenden Aufmachung der Schlagzeile wie hier von Jasmin Schreiber auf Twitter.


Offensichtlich kamen diese zahlreichen Kritiken beim Deutschen-Presse-Agentur an und die Schlagzeilen wurden korrigiert und angepasst. Eine umfassende Klarstellung oder kritische Erläuterung ist uns nicht bekannt.









dpa-Meldung wurde von den Medien unkritisch übernommen

https://twitter.com/fhomburger/status/1464517059208007682
https://twitter.com/fhomburger/status/1464517059208007682

Der Nachrichtenchef der Deutschen-Presse-Agentur dpa Froben Homberger entschuldigt sich für die irrtümlich formulierte Schlagzeile des Montgomery Artikels.


Eingefädelt wurde die Meldung mit der irreführenden Überschrift durch die dpa über vollautomatisierte dpa Verteilung.





Das Problem: Die Entschuldigung ist zwar angemessen, hilft aber faktisch wenig, da die Meldung mit der irreführenden Überschrift über alle Kanäle flächendeckend verteilt wurde. Die Entschuldigung und Korrektur kommt vor allem beim Bürger nicht mehr rechtzeitig an. Eine anschauliche und deutliche Klarstellung durch die Medien wird wohl weiter kleingehalten.

Die Medien wechselten zwar die Schlagzeile wie z.B. SZ, die Zeit mit "Montgomery befürchtet sehr gefährliche Corona-Varianten" oder n-tv mit "Montgomery fürchtet Variante mit Ebola-Wirkung."


Nur das klammheimliche Wechseln der Überschrift heißt jedoch nicht, dass die urspüngliche angstschürende Schlagzeile in den Köpfen der Leser nicht weiter Wirkung zeigt. Hier hätte es eine klare Kennzeichnung der Änderung geben müssen und eine umfassende Erläuterung und kritische Stellungsnahme von Seiten der verantwortlichen Medien.


Die Frage poppt sogar bei manchen Kritikern auf, wie zufällig ein solcher Nachrichtenunfall einzuschätzen ist oder inwieweit nicht doch ein gewisses Kalkül dabei im Spiel gewesen sein könnte?


Anstieg der Charts für BioNTech und Moderna unmittelbar nach Warnung

https://www.finanzen.net/aktien/biontech-aktien
https://www.finanzen.net/aktien/biontech-aktien

Es ist davon auszugehen, dass keinerlei Zusammenhang zwischen der WHO Hochstufung in "Besorgniserregende Variante", Nachrichtenunfall, Berichterstattung und Chartentwicklung besteht.


Unabhängig davon sieht man, dass die Impfstoffhersteller unmittelbar von Gerüchten über neue gefährliche Varianten sofort profitieren. Sowohl bei BioNTech als auch bei Moderna gab es zuvor eine langanhaltende Stagnation in den Aktienkursen. In unserer globalen Informationsgesellschaft muss es deshalb erlaubt sein, auch die Frage nach dem Cui Bono? Wer profitiert? zu stellen.


Bereits am 28.11.21 war in den Nachrichten zu lesen, dass Moderna an einem Projekt zur Anpassung der Impfstoffe an Omikron arbeitet. Es ist auffällig, wie schnell Moderna und im Folgezug BioNTech verkündigt haben, bereits am neuen Impfstoff zu arbeiten. Das nach wenigen Tagen und obwohl bis dato keine klinischen Daten vorliegen, die Anlass zur Sorge geben.


Transparenztest Resümée


Zwischen einen SARS CoV2 Virus und Ebola gibt es fundamentale Unterschiede hinsichtlich Verbreitung und Gefährlichkeit. Ein Vergleich ist schlicht weg fern der Realität. Einen solchen Vergleich ohne klinische Daten und Evidenznachweis zu bringen ist zudem schlichtweg unangebracht.


Montgomery hat hier - unbedacht oder bewusst - zur Panikmache beigetragen. Es ist unglaubwürdig, dass ein Arzt in seiner Funktion sich über die Tragweite eines solchen Vergleichs nicht bewusst ist. Eine nachträgliche Entschuldigung oder Korrektur ist aber nicht bekannt.


Auch wenn es sich offensichtlich um einen dpa "Nachrichtenunfall" gehandelt hat, bleiben Fragen offen:


Unsere Tt Fragen:

  • Warum hinterfragen Medien nicht solch offensichtlich irreführende und panikschürende Aussagen von Ärztefunktionären mit Pharma-affinen Hintergrund?

  • Warum wird von den Medien nicht mehr Evidenz und Transparenz von seiten der sogenannten "Experten" eingefordert?

  • Warum wird nur die Schlagzeile korrigiert und nicht eine umfassende und unmißverständlich Aufklärung der Sachverhalte im Kontext nachgeliefert?

  • Wo bleiben die Faktenchecker um solch irreführenden Aussagen klarzustellen?

 

Ohne Sie geht es nicht!


Unser Ziel ist es uns alle für mehr Transparenz und Evidenz zu sensibilisieren.


Wir Bürger haben ein unabdingbares Recht darauf zu erfahren, was wann wie und aus welchen Gründen - ohne unsere Zustimmung - entschieden wird. Da selten die Informationen vollständig und nachvollziehbar gegeben werden, müssen wir wach bleiben und nachfragen.


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Wir danken Ihnen hierfür herzlich an dieser Stelle, da wir aus Gründen des Datenschutzes auf Spenden nicht antworten dürfen.


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Quellen:

  • dpa-infocom, dpa:211127-99-160780/5

  • https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/gesundheit-montgomery-befuerchtet-sehr-gefaehrliche-corona-varianten-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-211127-99-160780

  • https://www.zeit.de/news/2021-11/27/montgomery-warnt-virusvariante-so-gefaehrlich-wie-ebola

  • https://www.n-tv.de/panorama/Montgomery-fuerchtet-Variante-mit-Ebola-Wirkung-article22960427.html

  • https://www.deutschlandfunk.de/moderna-arbeitet-bereits-an-anpassung-des-impfstoffes-an-omikron-variante-102.html

  • https://twitter.com/fhomburger/status/1464517059208007682

  • https://twitter.com/rosenbusch_/status/1464496019505299456

  • https://timesofindia.indiatimes.com/world/rest-of-world/south-african-medical-association-says-omicron-variant-causes-mild-disease/articleshow/87949404.cms

  • https://www.bbc.com/news/av/uk-59450988

  • https://twitter.com/rosenbusch_/status/1464494420917723138

  • https://www.welt.de/gesundheit/article235328686/Omikron-Milde-Symptome-bei-Patienten-Lauterbach-vorsichtig-optimistisch.html

  • https://www.welt.de/vermischtes/article235334272/Amsterdam-Verstoerende-Szenen-fuer-Suedafrika-Einreisende-am-Flughafen.html

  • https://www.welt.de/kultur/plus235299652/Omikron-Die-Gefahren-der-Medienpandemie.html

  • https://www.theguardian.com/world/2021/nov/24/scientists-warn-of-new-covid-variant-with-high-number-of-mutations

  • https://www.bbc.com/news/world-africa-59463879?xtor=AL-72-%5Bpartner%5D-%5Bbbc.news.twitter%5D-%5Bheadline%5D-%5Bnews%5D-%5Bbizdev%5D-%5Bisapi%5D&at_medium=custom7&at_custom1=%5Bpost+type%5D&at_campaign=64&at_custom2=twitter&at_custom4=5461BBEA-5123-11EC-BACA-E7FD4744363C&at_custom3=%40BBCWorld

 

Bild: Unsplash Tobias Reich