Delta Variante Sars CoV 2: 19 mal weniger tödlich als die bisherige Alpha Variante?


Wie gefährlich ist Delta Variante, bekannt auch als indische Variante oder als Code b 1.617.2? Sind die eindringlichen Warnungen hierzulande gerechtfertigt?


Nach den neuesten Zahlen des Britischen Gesundheitsministeriums Public Health England liegt die Sterblichkeit bei der gefürchteten Delta Variante derzeit 19 mal niedriger als die der bisherigen Alpha Variante. Die Sterblichkeit wird mittels den sogenannten Case Fatality Ratio CFR Kennwert angegeben.


Der CFR Wert berücksichtigt noch nicht die Dunkelziffer, d.h. die nicht gemeldeten oder nicht erkannten Erkrankungen sind noch nicht in die Berechnung eingegangen. Diese werden im Kennwert IFR angegeben, welcher erfahrungsgemäß nochmals vielfach unterhalb dem CFR Wert liegt. CFR Werte liegen meist früher als IFR vor und dienen der ersten Orientierung zur Sterblichkeit. Im folgenden Text handelt es sich nur um die CFR Werte, die stets zur Überschätzung der tatsächlichen Sterblichkeit führen.


Nun sind laut PHE Zahlenwerk aber bereits die CFR Werte nahe Null.


Wie passt das mit den eindringlichen Warnappellen von Experten wie z.B. Drosten und Lauterbach zusammen?


So warnte zuletzt Christian Drosten am 19. Juni eindringlich vor der Ausbreitung der Delta-Variante:


"Wir müssen das ab jetzt wirklich ernst nehmen."


Bei Karl Lauterbach klingt das wie so oft noch viel dramatischer:


"Delta Variante ist 1,8-4 fach ansteckender als Ursprungsvariante. Das lässt ahnen, welche Katastrophe wir erlebt hätten, wenn die Pandemie mit der Delta Variante begonnen hätte. Leider werden noch andere Varianten kommen. Die Pandemie ist lange nicht vorbei, über 5 Mrd Ungeimpfte"

https://twitter.com/Karl_Lauterbach/status/1406968513642827776



Die neuen Zahlen des Public Health England Berichtes zeigen jedoch ein völlig anderes Bild.


SARS-CoV-2 Varianten in UK nach Vorkommen und Sterblichkeit

Public Health England Report, SARS CoV2 Varianten Vorkommen und Todesfaelle, 11.6.21
Quelle: Public Health England, SARS CoV2 Variants, Technical Briefing 16, Tab 2, 11.6.21

Die Alpha-Variante kommt immer noch siebenmal häufiger vor als die Delta-Variante. Delta ist mittlerweile dominant, d.h. es gibt deutlich mehr Deltafälle als Alphafälle. Trotz der angekündigten hohen Übertragbarkeit hat die Delta-Variante aber noch nicht höhere Zahlen als bei Alpha UK erreicht. Hiervon ist sie noch weit entfernt mit 60.655 Fällen.


Noch viel bedeutsamer sind jedoch die Sterblichkeitsraten. Die Alpha Variante wird mit einer Case Fatality Rate CFR von 1,9% angegeben, die Delta Variante nur mit 0,1%. Den neuesten Zahlen von PHE nach liegt die Sterblichkeit für die gefürchtete Delta-Variante folglich derzeit 19 mal niedriger als die für die Alpha Variante.


Warum sie so viel niedriger liegen, kann nur gemutmaßt werden.


Wahrscheinlich liegen wie meist multifaktorielle Gründe vor. Gründe neben einer möglichen geringen Pathogenität der Deltavariante könnten z.B. sein: Alter, zunehmender Anteil von Menschen mit natürlicher Antikörper oder T-Zellen Immunität, Saisonalität, u.v.m..


Auch die Impfung könnte eine Rolle spielen. Den PHE Zahlen nach scheint eine Impfung aber eher weniger zu schützen. Zumindest resultieren bei den Erkrankten ca. 30% aus der Gruppe der einfach und doppelt Geimpften, davon 8% doppelgeimpft. Durch die wenigen Sterbefälle insgesamt durch Delta ist die Datenbasis bzgl. der Wirkung der Impfung noch zu gering um belastbare Aussagen zu machen . Momentan kommen mehr Sterbefälle durch Geimpfte als durch Geimpfte vor.


Gründe für niedriger CFR können aber auch mögliche methodische Artefakte dazu. UK ist z.B. führend in der Sequenzierung der Viren. Anders wie in Deutschland wird seit einiger Zeit ein Großteil sequenziert und nicht mehr nur PCR genotypisch ausgewertet. PCR Befunde sind für ihre hohen falsch positiv Befunde aufgrund fehlender Standardisierung (z.B. unterschiedliche und zu hohe Ct-Wert) bekannt. Durch die Sequenzierung könnte die Datenqualität steigen, aber auch die bestätigten Fallzahlen sich reduzieren.


Wie auch immer. Es wird nie abschließend geklärt werden können, warum die CFR Sterblichkeitsrate bei der Deltavariante gering ausfällt. Fest steht sie liegt derzeit deutlich - den Zahlen nach 19x - niedriger als für Alpha.


Zur Erinnerung: Bei den hier gelisteten Varianten handelt es sich zudem um die CFR Sterblichkeit. Diese erfasst nicht alle Fälle und wird somit immer überschätzt. Die CFR Sterblichkeitsrate berücksichtigt nicht die Dunkelziffer der nicht entdeckten oder wieder genesenen Erkrankten. Anders dagegen die IFR Infection-Fatality-Rate die mittels Antikörpertest-Studien auch die Dunkelziffer miterfasst. Diese liegt erfahrungsgemäß erheblich niedriger, oft um Faktor plus minus 10. Die IFR Sterblichkeitsraten würden demnach noch mal deutlich niedriger liegen. Für die Delta-Variante würde die IFR demnach voraussichtlich derzeit vernachlässigbar gering ausfallen.



Ist die Inzidenz die richtige Meßlatte für Maßnahmen bei der Deltavariante?


Prof. Stefan Homburg, bekannt für seinen empirischen evidenzbasierten Ansatz, hat dieses Thema Delta Variante aufgegriffen und sich diesen Warnungen explizit entgegengestellt:


"Weil UK mehr testet als Deutschland, muss man die Positivraten vergleichen und nicht die Fallzahlen. Man erkennt klar: In mit der angeblich dort "wütenden" Delta-Mutation stagniert die Positivrate auf niedrigem Niveau. Dasselbe gilt für die Zahl der hospitalisierten Patienten."

https://twitter.com/SHomburg/status/1406499564958453764



Vergleich Positiv Raten Großbritannien - Deutschland

Vergleich Covid Test Positivraten für Deutschland und UK
Quelle: Ourworldindata, Vergleich Covid Test Positivraten für Deutschland und UK, 16.6.21

Wenn die Positivraten anstelle der Inzidenzen verglichen werden, schneidet UK immer noch deutlich besser ab als Deutschland.


Prof. Homburg macht dabei auf das Problem aufmerksam, dass höhere Fallzahlen die Inzidenzen verzerrend erhöhen (Artefakt). Weniger verzerrend wirkt sich das bei den Positivraten aus.


Viele Experten (z.B. Prof. Schrappe, Antes, Glaeske Gruppe) so wie auch Transparenztest fordern schon seit langem, dass Inzidenzen repräsentativ (repräsentative Stichproben, standardisierte Felderhebung ähnlich bei Meinungsumfragen) zu erheben sind, um einen wissenschaftlichen haltbaren Aussagewert zu gewährleisten. Hiervon sind wir meilenweit entfernt.



UK Covid 19 Sterblichkeit nach Todesfällen / 1 Million Menschen / Tag

Ourworldindata, UK Todesfaelle pro 1 Million Menschen, 19.6.211
Quelle: Ourworldindata, Todesfälle pro 1 Million Menschen, UK, 19.6.21

Wie man aus dem Verlauf der Covid Sterblichkeit ersehen kann, hat sich der Verlauf nahezu der Null-Linie angenähert. Es kommt zu 0,16 Todesfälle auf eine Million Menschen pro Tag.


Covid 19 Patienten in Krankenhäusern

Ourworldindata, UK Hospitalisierungs-Zahlen, 13.6.21
Quelle: Ourworldindata, UK Hospitalisierungs-Zahlen, 13.6.211

Auch diese Grafik zeigt, dass sowohl in UK (1.138 Fälle) und Portugal (325 Fälle) die Covid 19 Patienten, die derzeit noch in Krankenhäusern sind, nahe der Null-Linie verlaufen. Sie liegen z.B. deutlich niedriger als in den USA.


UK und Portugal gelten jedoch zur Zeit als besonders gefährdet durch die Delta-Variante. Die Hospitalisierungs-Zahlen sprechen jedoch eine vollkommen andere Sprache.


Transparenztest Resümmée

Die CFR Sterblichkeit bei der Alphavariante lag lt. Public Health England um Faktor 19 (CFR 1,9%) höher als für Delta (CFR 0,1%). Welche Rolle soll bei einer schwachen Mutante eine noch so hohe Inzidenz spielen? Die Inzidenz für UK ist zudem nur erhöht.


Der Verlauf der Sterblichkeitswerte bei Covid liegt derzeit nahe der Null-Linie bei täglich 0,16 Death/ Million People 0,16! Das sagt alles.


Die PHE Zahlen für die Delta-Variante in Großbritannien werfen elementare Fragen auf:

  • Warum werden als Begründung für Maßnahmenverschärfungen allein Inzidenzwerte herangezogen, wenn bekannt ist, dass die Sterblichkeitsrate für die neue Delta-Variante derzeit 19 mal niedriger liegt?

  • Warum werden nicht die Zahlen für Hospitalisierung und Sterblichkeit vorwiegend und maßnahmenleitend herangezogen?

  • Warum berücksichtigen die Modellierer nicht ausreichend die IFR Sterblichkeitsraten?

  • Warum wird bei der finalen Beurteilung der Sterblichkeit immer noch die Case Fatality Rate zitiert und nicht die wichtige Infektion Fatality Rate? Hierdurch kommt es regelmäßig zu Überschätzung der Sterblichkeit.

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Quellen: