Uni Innsbruck: Schwere Verläufe bei hohen Antikörpertitern, leichte bei guter T-Zell-Aktivität


Die Studie der Medizinischen Universität Innsbruck an Geweben von COVID-19 Patienten liefert überraschende Einsichten in den Verlauf von Corona-Infektionen.


Die Daten belegen, dass hohe SARS-CoV-2-Antikörpertiter mit einem schweren Krankheitsverlauf verbunden sind. Eine robuste T-Zell-Aktivität hingegen korreliert signifikant mit leichten Symptomen.


Die Ergebnisse sind auch für andere respiratorische Erkrankungen relevant.


Was kann das für die pauschale Impfstrategie zur Erzielung möglichst hoher Antikörpertiter bei möglichst vielen Personen bedeuten?


Der Forschungsverbund bestand aus folgenden Einrichtungen:

  • Institut für Hygiene and Medizinischer Mikrobiologie, Medizinische Universität Innsbruck, Austria

  • Universitätskrankenhaus, Innere Medizin II, Medizinische Universität Innsbruck, Austria

  • Klinische Abteilung der Neurologie, Medizinische Universität Innsbruck, Austria

  • Zentral Institut für Medizinische and Chemische Labor Diagnostik, Universitätskrankenhaus Innsbruck, Austria

  • Münchner Leukämie Labor (MLL), München, Deutschland

  • Abteilung für Innere Medizin, Krankenhaus Kufstein, Austria

  • Abteilung für Innere Medizin, Krankenhaus Zams, Austria


Das Team um den Immunologen Wilfried Posch vom Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie an der Medizin Uni Innsbruck gelang es, die zellulären T-Zellen und Antikörper Immunantworten zu ermitteln, die bei Patienten mit mildem, schwerem und kritischem COVID-19 Verlauf ausgelöst werden.


In Zusammenarbeit mit mehreren Tiroler Krankenhäusern wurden dazu in Gewebeproben von COVID-19 Patienten 30 bis 40 Tage nach positivem PCR-Test nicht nur Antikörpertiter, sondern auch Virus-Neutralisation, T-Zellreaktionen und der Anaphylatoxin-Spiegel untersucht. Das Fachjournal Frontiers in Immunology berichtet darüber.

T-Zellen spielen ein fundamentale Rolle in der frühen Bekämpfungsphase von vielen ARE Atemwegsinfektionen. Lymphopenie mit drastisch reduzierter CD4+ und CD8+ T Zellen korreliert mit der Schwere und Mortalität bei Covid Erkrankungen. Insgesamt 37 Patienten mit milder, schwerer oder lebensbedrohlicher Covid Erkrankung und 10 gesunde Individuen wurden für die Evaluation herangezogen.


Leichte Verläufe bei robuster T-Zell Aktivität


Immunologe Wilfried Posch sieht einen Zusammenhang zwischen leichten Verläufen und robuster T-Zell Aktivität

„Bei Patienten mit leichten Infektionen ließen sich robuste zytotoxische T-Zell-Reaktionen bzw. ein niedriger Anaphylatoxinspiegel nachweisen. Anaphylatoxin ist ein Entzündungsprotein, das vor allem bei kritischem Verlauf hochreguliert wird.

Schwere Verläufe bei hohen Antikörpertitern


Nach Posch besteht bei schweren Verläufen ein Zusammenhang mit hohen Antikörpertitern:

"Darüber hinaus stellten wir fest, dass hohe SARS-CoV-2-Antikörpertiter – darunter fallen neutralisierende als auch nicht-neutralisierende Antikörper – mit einem schweren Krankheitsverlauf verbunden sind, denn viele nicht-neutralisierende Antikörper binden an das Virus und heizen die Produktion von Immunkomponenten wie Anaphylatoxinen an. Die Folge ist ein Zytokinsturm, also eine erhöhte Entzündungsreaktion


Hyperinflammation durch Zytokinsturm

Komplement Rezeptor-gefärbte, Virus-infizierte Immunzellen (Virus in Pink; Komplementrezeptor in Grün, Zytoplasma in Orange; Zellkerne in Blau). (c) Doris Wilflingseder
Komplement Rezeptor-gefärbte, Virus-infizierte Immunzellen (Virus in Pink; Komplementrezeptor in Grün, Zytoplasma in Orange; Zellkerne in Blau). Doris Wilflingseder

Diese gewebsschädigende und mitunter lebensbedrohliche Entwicklung -Hyperinflammation - im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion ist nicht neu.


Auch Wilfried Posch und die Infektionsbiologin Doris Wilflingseder konnten vor kurzem bereits in einem humanen dreidimensionalen Zellkulturmodell für den oberen und unteren Atemswegstrakt quasi im Live-Modus eine Hyperinflammation nachweisen. Die Daten der aktuellen klinischen Studie bestätigen nun klar das Ergebnis aus der Zellkultur .

Neue Erkenntnisse können zu neuen Behandlungsmaßnahmen beitragen

"Dass die Hyperinflammation mit der chemischen Blockade dieser Anaphylatoxine verhindert werden könnte, haben wir ebenfalls in unserem 3D-Modell gezeigt. In ersten klinischen Studien wird das mit bereits zugelassenen Medikamenten, die gegen diese Immunfragmente wirken, schon untersucht“

Die Erkenntnisse der Uni Innsbruck Studie können auch für die Behandlung anderer Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege herangezogen werden.


Der neue Ansatz könnte nicht nur bei COVID-19 Patienten mit schweren Verläufen zum Tragen kommen. Vielmehr wirkt der therapeutische Ansatz bei den anderen respiratorischen Erkrankungen, in deren Rahmen es durch Hyperinflammation zu nachhaltigen Schäden am Lungengewebe kommt, viel versprechend.


Transparenztest Resümée


Was könnte das für die derzeitige Impfstrategie bedeuten?


Impfen, Impfen, Impfen ...


Das scheint momentan die Strategie der Politik in vielen Ländern zu sein um einen möglichst hohen Antikörpertiter bei möglichst allen Personen aufzubauen.


Wenn sich jetzt aber Hinweise verdichten, dass hohe Antikörpertiter mit autoimmunen Reaktionen in Form eines Zytokinsturms zu schweren Verläufen führen können, kann sich eine solche Strategie als fatal erweisen.


Mit jeder Impfung, insbesondere mRNA Impfung bei der der Produktionsstopp von durch körpereigene Zellen produzierte Antikörper zeitlich nicht bekannt ist, kann sich der Antikörpertiter möglicherweise zu hoch aufbauen und autoimmune Reaktionen auslösen.


Hinweise und Studien zu autoimmunen Fehlreaktionen durch Zytokinsturm sind schon lange bekannt und es wurde bereits vielfach darauf hingewiesen. Umso weniger ist es nachvollziehbar, warum dieser Frage nicht explizit nachgegangen und warum hier keine oder zu wenig Forschung angeregt wurde.


Durch die weiter forcierte Impfstrategie ist zu erwarten, dass der Anteil der Personen mit hohen Antikörpertiter weiter zunimmt.


Was passiert, wenn hier bedenkenlos weiter geimpft wird? 3. Impfung, 4., 5.?


Wie sehr forciert man hier systematisch mögliche autoimmune Fehlreaktionen wie eines Zytokinsturms?


Warum wird nicht der Antikörperstatus vor der Impfung bei den Menschen geklärt? Warum erfolgt keine individuelle Risiko-Nutzen Abklärung je nach autoimmunen Vorerkrankungen u.a.?


Viele Menschen haben bereits Antikörper


In vielen Staaten sind durch die hohen Impfquoten bereits hohe Antikörpertiter für Sars-CoV-2 zu erwarten. Großbritannien ist eines der Länder, welches gute Daten zum Antikörperstatus liefert. So war Anfang Juli schon bekannt, dass 9 von 10 Briten Antikörper entwickelt hatten.


Bei 9 von 10 Briten sind Antikörper gegen SARS CoV2 nachweisbar

UK, Office of National Statistics, Antikoerper Altersgruppen England,Wales,Nordirland,Schottland, 4.7.21
UK, Office of National Statistics, Antikörper Altersgruppen England,Wales,Nordirland,Schottland, 4.7.21

Angesichts der klaren Datenlage zum Antikörper-Status in Großbritannien stellt sich die Frage, wie weit hier die anderen europäischen Länder sind.


Viele EU Länder sind nicht mehr weit von der Impfquote der Briten entfernt. Es ist folglich anzunehmen, dass auch hier bereits mit hohen Antikörperanteilen in der Bevölkerung gerechnet werden kann.


Umso mehr überrascht, warum wir in Deutschland all die Monate zu dieser Fragestellung keine Daten vorgelegt bekommen haben.


Antikörpertiter müssen nicht hoch sein, um eine Antikörperabwehr zu haben


B-Gedächtniszellen sind der Informationsspeicher für die Bildung von Antikörpern gegen eine Krankheit, die der Körper bereits durchlebt hat.


Die B-Gedächtniszellen aktivieren die B-Zellen, die sich durch Teilung schnell vermehren und zur Antikörperproduktion beitragen.


Bei einer erneuten Infektion des Körpers mit dem Virus können viel schneller Plasmazellen gebildet werden. Die Antikörper-Produktion kann in kürzester hochgefahren werden um eine Infektion zu verhindern.


Über die Bedeutung der B-Gedächtniszellen für langanhaltende Immunität berichteten wir über relevante Studien.


Warum sollte bei diesem Personenkreis mit durchgemachter Erkrankung durch Impfung der Antikörpertiter erhöht werden, zumal durch zu hohe Titer offensichtlich Probleme entstehen können.


Warum wird die T-Zell Immunität nicht ermittelt und berücksichtigt?


Von der derzeitigen Maßnahmenpolitik werden weiter Personen nicht berücksichtigt, die entweder SARS CoV spezifische T-Zellen oder T-Gedächtniszellen aufweisen und damit Immunabwehr haben oder aufbauen können.


Gerade bei Kinder, bei denen die T-Zellen Aktivität eine herausragende Rolle spielt, muss dieser Aspekt bei der Impffrage unbedingt berücksichtigt werden.


Es muss hier erst noch eingehend erforscht werden, welche Reaktionen ein forcierter Aufbau von Antikörpern bei Kindern bedeutet und wie die Risiko-Nutzen-Abwägung ausfallen kann. Hierzu zählt auch die Erforschung von unerwünschten Reaktion von z.B. autoimmunen Reaktionen in Form eines lebensbedrohlichen Zytokinsturms.


Tt Fragen:

  • Warum wurde der bekannte Effekt durch Zytokinsturm bisher nicht thematisiert?

  • Warum wurde hierzu keine verstärkte Forschung initiert?

  • Warum wird die Risiko-Nutzen-Abwägung bei Impfung nicht individuell sondern pauschal für alle Personen vorgenommen - unabhängig von deren B- und T-Zell Status?

  • Warum haben wir keine vergleichbaren und aktuellen Daten zu Antikörperdaten in Deutschland?

  • Wie hoch muss der Anteil der Antikörperträger noch steigen, bis man die Pandemie für beendet erklärt?

  • Warum setzt man ausschließlich auf Immunität durch Antikörper?

  • Warum wurden bisher die vorhandenen Studien zur Immunität durch T-Zellen nicht thematisiert?

  • Warum wird die T-Zell Immunität nicht wie die Antikörper Immunität ermittelt und in die Bewertung einbezogen?

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Quellen:

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Komplement Rezeptor-gefärbte, Virus-infizierte Immunzellen (Virus in Pink; Komplementrezeptor in Grün, Zytoplasma in Orange; Zellkerne in Blau). Doris Wilflingseder