BMG Krankenhausbericht 2020 Teil 2: 11 % weniger Atemwegserkrankungen (ARE) in 2020 als in 2019


Der zweite Teil unserer Analyse zum RWI/BMG Jahresbericht 2020 zeigt, dass es in 2020 11% weniger akute Atemwegserkrankungen (ARE) inklusive Lungenentzündungen gegeben hat als in 2019. Auch der Vergleich der im RKI Grippeweb dargestellten ARE-Raten und grippeähnlich ILI-Raten offenbart, dass 2020 viel niedrigere Raten hat als in den Vorjahren.


Bereits aus dem ersten Teil unserer Analyse zum RWI Jahresbericht 2020 ging hervor, dass Krankenhäuser weit entfernt von jeder Überlastung waren. 2% aller Krankenhauspatienten, 4% aller Intensivpatienten waren Covidfälle. Tt berichtete über das Allzeittief in den deutschen Krankenhäusern.


Der Jahresbericht 2020 "Analysen zum Leistungsgeschehen der Krankenhäuser" von RWI und TU Berlin im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) birgt bei genauer Analyse weitere aufsehenerregende Schlüsselzahlen. Auch diese wurden - da wenig anschaulich erläutert und erst im mittleren Teil des Berichts positioniert - offensichtlich bisher in ihrer Aussagekraft nicht von Politik, Medien und auch nicht von Kritikern erkannt oder beachtet.


Vergleich Akute Atemwegserkrankungen (inkl. Lungenentzünd.) 2019-2020

RWI/TU Berlin Jahresbericht 2020, Anzahl Akute Atemwegserkrankungen (inkl. Lungenentzuendung) 2020 vs. 2019, Grafik10 S.20
RWI/TU Berlin Jahresbericht 2020, Anzahl Akute Atemwegserkrankungen (inkl. Lungenentzündung) 2020 vs. 2019, Grafik 10 S.20

Die Grafik zeigt alle Atemwegserkrankungen (ARE) mit und ohne Covid in 2020.

Die grauen Balkenanteil zeigen die ARE ohne Covid, die blauen mit Covid.


Die gepunktete Linie zeigt alle ARE des Vorjahres 2019 zum Vergleich.


Wichtig: Das Jahr 2019 war ein besonders mildes Grippejahr mit geringer Sterblichkeit - ganz im Gegensatz zum Grippejahr 2018, welches wir hier leider nicht zum Vergleich haben. Dennoch verläuft die 2019er Linie durchgehend von KW 3 bis zur KW 44 oberhalb der 2020er Linie. Erst ab KW 44-52 weist das Jahr 2020 etwas höhere ARE Zahlen auf. Genau dieser Zeitraum fällt auf die zweite Corona Welle. Dennoch sehen wir bei den ARE Zahlen keine bedeutsame Steigerung. Insgesamt gesehen weist das Jahr 2019 deutlich mehr ARE Fälle in deutschen Krankenhäusern auf.


Was zählt zu den ARE Erkrankungen?


Hierzu zählen alle Atemswegserkrankungen einschließlich Lungenentzündungen verursacht durch ARE Viren, Bakterien (Pneumonie) oder / und Antigene (autoimmune Reaktionen). Zu den ARE Viren zählen z.B. die im RKI Grippeweb erfassten Viren wie RSV-Viren, Rhino-Viren, Parainfluenza-Viren, Influenza-Viren A und B, 4 saisonale humane Corona-Viren und Sars CoV 2.



Wie sehen die Vergleichszahlen genau aus?


Auf Twitter hatte Tt dazu bereits eine Kurzübersicht gebracht:

https://twitter.com/transparenztest/status/1440732327190036489
https://twitter.com/transparenztest/status/1440732327190036489, RWI/TU Berlin Jahresbericht 2020, Anzahl Akute Atemwegserkrankungen (inkl. Lungenentzündung) 2020 vs. 2019, Tabelle 5 S.20

Vergleich Lungenentzündungen


Vergleicht man die Lungenentzündungen ohne Covid, weist das Jahr 2019 mit 310.051 Fällen gegenüber 2020 mit 233.717 Fällen gleich 76.334 Fälle mehr aus. 2020 hat es somit rund 25% weniger Lungenentzündungen ohne Covid gegeben als 2019. Das merkwürdige daran ist, dass die Lungenentzündungen mit Covid mit 88.502 Fällen einen ähnliche Zahl an Fällen hat, wie sie bei der anderen Gruppe fehlen. Es wirkt fast so als seinen die fehlenden Fälle der ARE Gruppe ohne Covid zur Gruppe mit Covid hinüber gewechselt.


Vergleich Atemwegserkrankungen inkl. Lungenentzündungen


Vergleicht man nun die gesamte große Gruppe der Atemswegerkrankungen inkl. Lungenentzündung verstärkt sich der Eindruck.


Das Jahr 2019 weist bei der Gruppe ohne Covid mit 655.274 Fällen gegenüber 2020 mit nur 464.123 Fällen gleich 201.150 Fälle mehr aus. Die Covid Gruppe hat dagegen nur 117.462. Auch hier wirkt es so, als ob die fehlenden Fälle durch Covid einfach ersetzt worden ist, wenngleich es in 2020 deutlich weniger Fälle sind.


2019 hat es insgesamt 655.274 ARE Fälle gegeben

2020 hat es insgesamt 581.585 ARE Fälle (ohne+mit Covid) gegeben.


Insgesamt sind wurden in 2020 somit 73.689 ARE Fälle mit Atemwegserkrankungen weniger behandelt. Das entspricht einem Minus von 11% gegenüber dem Vorjahr 2019, welches ein mildes Grippejahr war. Wie passt das mit der Pandemie zusammen?



Vergleich ARE-Raten nach Jahren

https://grippeweb.rki.de/Wochenberichte/2021/2021-36.pdf, Atemwegserkrankungen ARE-Raten Jahresvergleich
https://grippeweb.rki.de/Wochenberichte/2021/2021-36.pdf, ARE-Raten Jahresvergleich

Die Grafik aus dem aktuellen RKI Grippeweb Wochenbericht 36 zeigt den Verlauf der ARE-Raten für alle Atemwegserkrankungen für verschiedene Jahre.

Die ARE-Rate bezieht sich auf Fälle je 100.000 Einwohne. Die aktuelle Rate von 3,4% bedeutet 3.400 Fälle je 100.000 Einwohner in der jeweiligen Kalenderwoche.


Auffallend: Das Pandemiejahr 2020/21 verläuft im Bereich 1% bis 4% ARE-Rate. Der Verlauf ist gut zu sehen an der blauen Linie. Auch die aktuellen Monate - schwarze Linie - liegen ähnlich. Der aktuelle Covid Anteil ist hierbei extrem niedrig bei 0,07%.


Weiter auffallend: Die blaue Linie bildet nicht die zweite Corona Welle ab. Denn in diesem Zeitraum gibt es nur eine minimale Erhebung im Bereich 3%, danach fällt die blaue Linie bzw. die ARE-Rate Herbst 2020 bis Jahresende auf 2% ab. Der starke Anstieg der Covidfälle im Herbst 2020 hat sich folglich nicht in der ARE-Rate abgebildet. Es wirkt so als ob die bisherigen Viren durch Covid verdrängt worden sind, nur dass jetzt viel weniger Fälle vorliegen.


In den Vorjahren waren im Herbst die Raten viel höher bei 7-8%!


Irreführende Darstellung Covid Rate in RKI Grippeweb Grafik


Für Höhe der Covid-Rate in obiger Grafik gelten die Werte der rechten Y-Achse, nicht der linken. Die Covid Höhe in dieser Grafik kann deshalb leicht verwechselt werden und ist eigentlich irreführend dargestellt.


Die aktuelle 0,07% Covidrate bedeutet, dass dem Grippeweb in KW 36 nur 70 Covidfälle je 100.000 Einwohner gemeldet wurden, obwohl die ARE-Rate bei 3,4% aktuell liegt bzw. 3.400 ARE Fälle je 100.000 bedeutet. Die aktuellen Covidfälle an der ARE Rate des Grippewebs machen so nur 2% (70 von 3.400 Fällen) aus.



Vorjahre 2018/19 und 2019/2020 mit mehrfach so hohen ARE-Raten im Herbst/Winter


Ein Blick insbesondere auf die Jahre 2018/19 und 2019/20 lohnt sich deshalb: Hier verlief die ARE-Rate lange Zeit zwischen 5% und 8%. Das Jahr 2018/19 war dabei noch stärker. Leider ist hier nicht das starke Grippejahr 2017/2018 zu sehen, welches voraussichtlich noch viel stärker ausgefallen ist. Die ARE Raten für Atemwegserkrankungen der beiden Vorjahre waren laut RKI Grippeweb folglich zwei bis vierfach so hoch wie im Pandemiejahr 2020/21!


Sieht man sich die niedrigen ARE-Raten für 2020/21 an, versteht man, warum auch die Krankenhauszahlen 2020 so niedrig im Pandemie Zeitraum lagen. Natürlich sind nicht alle ARE Fälle in den Vorjahren im Krankenhaus gelandet, aber eben doch viele. Das genau spiegelt sich in den Zahlen des RWI/BMG Report 2020.


Alles in allem werfen diese Zahlen ein ganz anderes Licht auf die Pandemie 2020/21 nach ARE Raten und Hospizraten. Die Arztpraxen und Krankenhäuser waren sowohl den RWI/BMG Report 2020 als auch den RKI ARE-Raten auf keinen Fall mehr überlastet als in den Vorjahren.



Vergleich grippeähnliche Erkrankungen ILI-Raten nach Jahren

https://grippeweb.rki.de/Wochenberichte/2021/2021-36.pdf, ILI-Raten Jahresvergleich
https://grippeweb.rki.de/Wochenberichte/2021/2021-36.pdf, ILI-Raten Jahresvergleich

Es lohnt sich zudem auf die ILI-Raten zu sehen. ILI steht für grippeähnliche Erkrankungen. Sie machen eine große Teilmenge der Atemswegserkrankungen ARE aus.


Bei den ILI-Raten gehen vor allem Viren bedingte Atemswegserkrankungen ein. Bakterielle oder autoimmun bedingte Atemswegserkrankungen sind definitionsgemäß (keine Grippe) voraussichtlich nicht eingeflossen. Diese Untergruppe ist somit noch deutlich vergleichbarer als die ARE Gruppe.


Die Ergebnisse sind folglich umso überraschender:

Auch hier verläuft das Pandemiejahr 2020/21 (blaue Linie) sowie der aktuelle Zeitraum 2021 (schwarze Linie) weit unterhalb der Vorjahre. Die blaue ILI-Raten Linie im Pandemie Zeitraum verläuft über weite Strecken unterhalb 0,5%. Gerade im Bereich zweite Welle im Herbst 2020 weist die blaue ILI-Raten Linie nur eine minimale Erhebung mit etwas über 0,5% auf, um dann gleich wieder abzufallen.


Die Vorjahre 2018/19 und 2019/2020 verlaufen dagegen über weite Strecken zwischen 1% und 2,5%. Das ist ein mehrfaches gegenüber dem Pandemie Zeitraum.


So dürfte eine Pandemie sich eigentlich nicht in den ILI-Raten abbilden. Auch werfen folglich die ILI-Raten ein fragwürdiges Bild auf die Pandemie.


Reminder: Allzeittief Bettenauslastung Krankenhäuser 2020


Die oben dargestellten Ergebnisse des RWI/BMG Berichtes passen zum - bereits im ersten Teil unserer Berichterstattung - festgestellten Allzeittief in der Bettenauslastung in deutschen Krankenhäusern sowohl auf normalen Krankenstationen als auch auf Intensivstationen. Im Jahresdurchschnitt waren durch PCR "Covidfälle" nur 2% von Normal- und 4% von Intensivpatienten belegt.


RWI/TU Berlin Jahresbericht 2020, Durchschnittliche Bettenauslastung 2020 vs. 2019, Grafik1, S.10
RWI/TU Berlin Jahresbericht 2020, Durchschnittliche Bettenauslastung 2020 vs. 2019, Grafik1, S.10

Transparenztest Resümee


Alles in allem werfen die Zahlen der in deutschen Krankenhäusern behandelten Atemwegserkrankungen des RWI/BM Reports 2020 ein ganz anderes Licht auf die Pandemie 2020/21.


Die Evidenz bezüglich geringer Auslastung der Krankenhäuser mit Atemwegserkrankungen verfestigt sich, wenn noch die Vergleichszahlen der Vorjahre aus dem RKI Grippeweb hinzugezogen werden.


Sowohl die große Gruppe der Atemwegsinfektionen ARE als auch die Untergruppe mit den grippeähnlichen Erkrankungen ILI weisen für die Vorjahre mehrfach höhere Raten aus als im Pandemie Zeitraum 2020/21.


Unser Gesundheitssystem war durch Atemwegserkrankungen sowohl nach dem RWI/BMG Report 2020 als auch nach den RKI ARE Daten anteilsmäßig deutlich weniger belastet als in den Vorjahren. Für eine bevorstehende Überlastung lassen sich keine evidenzbasierten Zahlen oder Belege finden.


Unsere Tt Fragen:

  • Warum hat das BMG / RKI die Öffentlichkeit über diese Zahlen nicht transparent, nachvollziehbar und medienwirksam informiert?

  • Warum wurde solange und nachhaltig von Politik und MS-Medien den Bürgern eine Überlastung der Krankenhäuser als unmittelbar bevorstehend vermittelt? Wie evidenzbasiert mit welchen Krankenhaus- und ARE-Zahlen?

  • Welche Maßnahmen hat die Politik getroffen, um die Öffentlichkeit zukünftig methodisch sauber, evidenzbasiert, transparent und zeitnah über die tatsächliche Auslastung in Krankenhäusern zu informieren?

Ohne Sie geht es nicht!


Unser Ziel ist es uns alle für mehr Transparenz und Evidenz zu sensibilisieren.


Wir Bürger haben ein unabdingbares Recht darauf zu erfahren, was wann wie und aus welchen Gründen - ohne unsere Zustimmung - entschieden wird. Da selten die Informationen vollständig und nachvollziehbar gegeben werden, müssen wir wach bleiben und nachfragen.


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Wir danken Ihnen hierfür herzlich an dieser Stelle, da wir aus Gründen des Datenschutzes auf Spenden nicht antworten dürfen.


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Quellen