Bayern und Baden-Württemberg ordnen Covid Fälle mit unklarem Impfstatus weiter den Ungeimpften zu


Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und das Sozialministerium Baden-Württemberg ordnen Covid Fälle, bei denen der Impfstatus unklar ist, weiter erstmal ungeprüft den Ungeimpften zu. Das bläht die Inzidenz der Ungeimpften auf und führt zur Überschätzung der Impfeffektivität.


Zuletzt hatte das Robert Koch Institut RKI bis zum Wochenbericht vom 23.9. seine angekündigte, fragwürdige Zählweise Fälle tatsächlich so praktiziert. Dann korrigierte das RKI - zeitgleich kurz nach der Bundestagswahl - seine irreführende Zählweise. Mit Wochenbericht zum 30.9. werden nur noch Covid Fälle, bei denen der Impfstatus bekannt ist, den Ungeimpften oder Geimpften (Impfdurchbrüche) zugeordnet.


Prof. Stefan Homburg wies auf Twitter als einer der ersten auf die Halbierung der Coronatoten aufgrund der Korrektur der falschen Zählweise hin:

https://twitter.com/SHomburg/status/1444186082707480576
https://twitter.com/SHomburg/status/1444186082707480576

Wir berichteten im Artikel "RKI: Ungeimpfte Covid Todesfälle halbieren sich nach dem irreführende Zählweise geändert wird".

Zuletzt berichtete sogar das Magazin der Spiegel über diese Mißstände.


Wie sieht es nun bei der Inzidenzermittlung in den Bundesländern aus?


Einige Bundesländer wie Hessen, Bayern oder Baden-Württemberg wiesen Anfang September getrennte Inzidenzwerte für Geimpfte und Ungeimpfte auf.


Auch Hamburg und Bremen hatten anfangs noch getrennte Inzidenzwerte für Geimpfte und Ungeimpfte ermittelt. Man erkannte aber hier die Problematik der getrennten Inzidenzen und der mangelnden Datenqualität und ging wieder zurück zur Gesamt-Inzidenz.


Selbst dem linientreuen ARD Faktenfinder Tagesschau de fiel die Problematik im Artikel "Zahlen-Chaos bei Inzidenzermittlung" auf:

"Haben Ungeimpfte ein 14 Mal höheres Risiko, an Covid-19 zu erkranken als Geimpfte? Diesen Eindruck vermitteln die Inzidenzwerte, die Bayern veröffentlicht."

Bayern oder Baden-Württemberg weisen aber bis heute getrennte Statistiken für die Ermittlung der Covid Inzidenz aus.


Bei unklarem Impfstatus werden die Fälle erst einmal ungeprüft den Ungeimpften zugeordnet. Anders als beim RKI scheint man an dieser irreführenden Zählweise festhalten zu wollen.

Wir berichteten hierüber in Irreführende Zählweisen Teil 2.


Die fragwürdige Folge: Die in den beiden Bundesländern praktizierte Zählweise verzerrt die Ergebnisse. Es ist kein sinnvoller Vergleich mehr möglich. Die Inzidenz für Ungeimpfte wird durch diesen Effekt voraussichtlich stark überschätzt. Zwangsläufig wird beim Vergleich zwischen Inzidenz für Geimpfte zu Ungeimpften auch maßgeblich die Werte für die Impfeffektivität beeinflusst. Dies wird zur Überschätzung der Impfeffektivität führen.


Hinzu kommt die stark unterschiedliche Testung bzw. Testanzahl von Geimpften und Ungeimpften. Diese führt zu methodisch bedingt eklatanten Unterschieden und Verzerrungen. Wir berichteten darüber im Artikel Irreführende Zählweise Teil 1 .


In zahlreichen Tweets auf Twitter hatten wir bereits Anfang September mehrfach darauf hingewiesen, so z.B. am 03.09. zuletzt am 20.09.21:


https://twitter.com/transparenztest/status/1439916445404696579
Intransparente und irreführende Zählweise Bayerisches Landesamt für Gesundheit, 08.09.21 https://twitter.com/transparenztest/status/1439916445404696579


Das Bayerische Landesgesundheitsamt rechnet nach wie vor Covidfälle ohne bekannten Impfstatus den Ungeimpften erstmal einfach zu

https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/coronavirus/karte_coronavirus/index.htm#inzidenzgeimpft
Intransparente und irreführende Zählweise Bayerisches Landesamt für Gesundheit, 29.09.21 https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/coronavirus/karte_coronavirus/index.htm#inzidenzgeimpft


Alle Fälle mit unklarem Impfstatus gehen in die Ungeimpften Inzidenz ein


Alle positiven Tests werden den Ungeimpften zugeordnet, wenn der Impfstatus nicht bekannt ist. Das gilt somit auch für Geimpfte mit nicht angegebenen Impfstatus, wenn deren Status bei Testung nicht systematisch erhoben wurde.

In diesem Fall gingen ohne Erhebung des Impfstatus positiv getestete Geimpfte als ungeimpfte Neuinfektionen ein.



Warum übersieht ARD Faktenfinder den elementar wichtigen Hinweis, dass Personen mit unklaren Impfstatus den Ungeimpften zugeordnet werden?


Interessanter Weise geht der ARD Faktenfinder im besagten Artikel mit keinem Wort auf die irreführende Zählweise bei unklarem Impfstatus ein. Die Frage ist, ob der ARD Faktenfinder dies nicht wusste oder bewußt übersehen hat? In jedem Fall stehen seit gut fünf Wochen diese Hinweise gut sichtbar bei der Inzidenz-Erläuterung von Bayern und Baden-Württemberg. Bei einem Faktencheck Artikel ist zu erwarten, dass so etwas auffällt oder zumindest pressewirksam nachgetragen wird.


Das Sozialministerium Baden-Württemberg weist Inzidenz am 06.10.21 wie folgt aus:

Baden-Wuerttemberg, 7-Tage-Inzidenz in Baden-Wuerttemberg, 06.10.21
Baden-Württemberg, Ministerium für Soziales, 7-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg, 06.10.21, https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/die-aktuellen-corona-zahlen-fuer-baden-wuerttemberg/

Auch hier werden "Fälle ohne Angaben zum Impfstatus" einfach den Ungeimpften angelastet. Hier bleibt zudem unklar, ob die Informationen zu Impfungen erst im Rahmen weiterer Fallermittlungen erhoben und nachgetragen werden.


Unklar wie, wann und in welchen Fällen der Impfstatus ermittelt wird


Hier ist unklar, ob und mit welcher Systematik der Impfstatus bei jeder Testung abgefragt wird. Nur wenn dies konsequent in jedem Fall erfolgt, ist dieser Irrtum ausgeschlossen.


Landesamt für Gesundheit Bayern gibt z.B. an, dass dies nachgetragen wird:

"So liegen z.B. Informationen zu Impfungen möglicherweise nicht bereits zum Zeitpunkt der ersten Fallmeldung vor sondern werden erst im Rahmen weiterer Fallermittlungen erhoben und demnach nachgetragen bzw. aktualisiert."

Das klingt wenig praxisnah und wenig glaubwürdig. Es stellen sich kaum lösbare Aufgaben:

  • Wann werden diese Fallermittlungen gemacht?

  • Inwieweit werden alle unklaren Fälle geklärt?

  • Was passiert, wenn ein Fall sich nicht aufklären lässt?

  • In welcher Zeit kann dies zuverlässig bewerkstelligt werden?

  • Wie transparent und zeitnah wird dies nachgetragen?

  • Wie öffentlich wirksam wird dieser Nachtrag präsentiert?

  • Wie klar werden die Inzidenzen und Impfeffektivätswerte korrigiert?

  • Was sind die Konsequenzen aus der Korrektur?


Bei einer 7-Wochen Inzidenz, die unmittelbar die Grundrechte betrifft, werden Nachträge immer zu spät kommen. Die letzten Tage der jeweiligen Wochen-Inzidenz führen dann bei Fehlen immer zu erheblichen Zeitverzug. Die oben angekündigte eventuelle nachträgliche Fallermittlung wird in der Realität folglich kaum eine Rolle spielen.


Allein aufgrund des Zeitfaktors ist deshalb eine solche Vorgehensweise und Ankündigung als Ausrede und Irreführung zu werten. Die beschnittenen Grundrechte sind nachträglich nicht mehr herzustellen. Dies gilt selbst dann, wenn die Inzidenz in der Folgewoche korrigiert werden würde - die jeweilige Woche wäre schon vorbei.


Aus diesem Grund ist es unbedingt notwendig und sinnvoll den Impfstatus möglichst zuverlässig und standardisiert bereits im Vorfeld zu erheben. Sollte dies dennoch in Einzelfällen nicht möglich sein, müsste bei unbekannten Impfstatus die Covid Fälle gesondert erhoben werden. Ansonsten kommt es zu Verzerrungen im Ergebnis. Die Zahlen für Personen mit unbekannten Impfstatus sind zudem transparent anzugeben.


Transparenztest Resümee


Festzuhalten ist, dass all diese in Kauf genommenen Verzerrungen sich maßgeblich auf Einschnitte in Grundrechte auswirken. Eine nachträgliche Fallermittlung und Aktualisierung kommt voraussichtlich fast immer zu spät und ist allein deshalb schon bedeutungslos und abzulehnen.


Die irreführende Zählweise geht zudem allein zu Lasten der Ungeimpften. Die Inzidenz für Ungeimpfte wird so per Artefaktum regelmäßig als zu hoch eingeschätzt werden. Gleiches gilt für die Impfeffektivität. Diese Bevölkerungsgruppe der Ungeimpften wird hierdurch stigmatisiert und ausgegrenzt.


Unsere Tt Fragen:

  • Ungeimpfte werden aufgrund der 3G Regel bei nahezu jeder Gelegenheit getestet, Geimpfte so gut wie gar nicht mehr. Hierdurch kommt es methodisch bedingt zu enormen Unterschieden in der Anzahl der Testungen und Fallzahlen. Welchen Sinn machen hier getrennte Inzidenz Ermittlungen, wenn die Ergebnisse nicht Testanzahl bereinigt ausgewertet werden (Positivrate)?

  • Welche logisch nachvollziehbaren Begründungen gibt es, dass Geimpfte anders wie Ungeimpfte gewertet werden?

  • Warum wird der Impfstatus nicht standardisiert bei Testung erhoben?

  • Wie und wo werden die Einmal Geimpften gewertet? Wie transparent werden hierzu Zahlen genannt?

  • Wie transparent werden Zahlen für Personen mit unklarem Impfstatus genannt?

  • Warum werden bei unklarem Impfstatus die Fälle den Ungeimpften zugeordnet und nicht eine eigene Personengruppe dafür gegründet?

  • Wann werden sich die Bundesländer der korrigierten RKI Zählweise vom 30.09. anschließen?

Ohne Sie geht es nicht!


Unser Ziel ist es uns alle für mehr Transparenz und Evidenz zu sensibilisieren.


Wir Bürger haben ein unabdingbares Recht darauf zu erfahren, was wann wie und aus welchen Gründen - ohne unsere Zustimmung - entschieden wird. Da selten die Informationen vollständig und nachvollziehbar gegeben werden, müssen wir wach bleiben und nachfragen.


Stärken Sie uns mit einem kleinen Beitrag den Rücken, damit wir mit Ihrer Unterstützung dies von den Verantwortlichen einfordern können.


Wir danken Ihnen hierfür herzlich an dieser Stelle, da wir aus Gründen des Datenschutzes auf Spenden nicht antworten dürfen.


Hier klicken



https://www.transparenztest.de/unterstuetzen


Folgen Sie uns auch auf


https://twitter.com/transparenztest


https://t.me/transparenztest

Quellen

  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit, 06.10.21

  • https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/coronavirus/karte_coronavirus/index.htm#inzidenzgeimpft

  • Staatsministerium Baden-Württemberg

  • https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/die-aktuellen-corona-zahlen-fuer-baden-wuerttemberg/

  • RKI Covid-19 Wochenbericht KW 38

  • https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenbericht_2021-09-30.pdf?__blob=publicationFile

  • RKI Covid-19 Wochenbericht KW 36

  • https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenbericht_2021-09-23.pdf?__blob=publicationFile

  • RKI, FAQ, Wie wird ein Impfdurchbruch definiert?

  • https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/FAQ_Liste_Wirksamkeit.html

  • https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-warum-das-rki-die-impfwirksamkeit-nach-unten-korrigierte-a-2000e28b-6940-4454-9ee8-34ca75d164cf

  • ARD Faktenfinder tagesschau de, Zahlen-Chaos bei Inzidenzberechnung, 02.09.21

  • file:///Users/thomas/Desktop/Zählweise/ARD%20Geimpfte%20und%20Ungeimpfte_%20Zahlen-Chaos%20bei%20Inzidenzberechnung%20_%20tagesschau.de.html

  • https://www.arte.tv/de/afp/neuigkeiten/inzidenz-unter-ungeimpften-hessen-um-vielfaches-hoeher-als-unter-geimpften

  • https://www.welt.de/politik/deutschland/article233444978/Jens-Spahn-Dann-messen-wir-Inzidenzen-die-keinen-Aussagewert-haben.html

  • https://www.youtube.com/watch?v=00OVVn8XZew