Long Covid bei Kindern: Neue kontrollierte Studien deuten auf niedriges Risiko


Die UK ONS Studie, die australische Metaanalyse zu 14 Long Covid Studien, und die Schweizer Ciao-Corona-Studie zeigen:


Das Risiko für an Covid erkrankte Kinder nach 12 Wochen noch mindestens ein Symptom zu haben, liegt viel niedriger als gedacht. Nach ONS im Bereich von 0%- 1,7%. Auch die methodisch aufwändig durchgeführte Schweizer Ciao-Corona-Studie kommt mit 2% zu einem ähnlichen Ergebnis.


Die Metaanalyse von Prof. Curtis zu 14 Long Covid Studien zeigt,

dass die Symptome bei Long Covid Patienten schwer von Pandemie assoziierten Symptomen aufgrund der Maßnahmen zu unterscheiden sind.


Weiteres Hauptergebnis: Die meisten Untersuchungen weisen erhebliche methodische Schwächen auf.


Aufgrund der Ergebnisanalyse schätzt Prof. Curtis das tatsächliche Risiko für Symptome, die länger als 12 Wochen bleiben, bei Kindern auf 1 zu 100 bzw. auf 1% der infizierten Kinder.


Wichtige UK Studie von Office for National Statistics (ONS) zu Long Covid


Bereits die neue ONS Studie zu Long Covid zeigte ein deutlich niedrigeres Vorkommen von Long Covid als bisher in anderen, unkontrollierten Studien dargestellt. Die ONS Studie ist momentan eine der methodisch wohl am besten großen Studien zu Long Covid. Wichtiges Ergebnis: Nur eine von 40 Personen mit Corona hat Symptome, die länger als drei Monate anhalten.


Die ONS Studie zeigt auch, wie wichtig es ist, methodisch sauber mit Kontrollgruppe und repräsentativer Stichprobe zu arbeiten.


Nigel Curtis, Professor für Pädiatrische Infektionskrankheiten, Direktor des Könglichen Kinder Krankenhauses in Melbourne, Australien, legt nun mit einer Metaanalyse zu 14 Studien zu Long Covid insbesondere bei Kindern nach.


Vergleich von 14 Studien zu Long Covid bei Kindern


Bei Kindern ist das Risiko an Covid ernsthaft zu erkranken besonders niedrig.

Wir berichteten über die extrem niedrige Hospiz- und Todesrate bei Kindern.

Auf der anderen Seite wird jedoch immer wieder vor lang anhaltenden Covid Symptomen bei Kindern gewarnt. Auch hier trifft man auf die Problematik, dass Long Covid nur sehr schwach definiert ist.


Prof. Nigel Curtis wertete 14 Studien zu Long Covid bei Kindern und Erwachsenen aus. Die 14 Studien beziehen insgesamt 19.426 Kinder & Erwachsene ein.


Viele dieser Studien hatten starke methodische Schwächen.

Nur 5 Studien hatten so z.B. eine Kontrollgruppe. Folgende methodische Mängel kamen in den 14 Studien vor:

  • Fehlende eindeutige Definition von Long Covid

  • Zeitlich unterschiedliche Follow Up Datenerhebungen

  • Kinder in der Stichprobe, bei denen keine Bestätigung einer SARS CoV 2 Infektion vorlag

  • Nur Symptome, die selbst oder durch Eltern berichtet wurden ohne klinische Bestätigung

  • Fehlende Kontrollgruppe


In den 5 Studien, die eine Kontrollgruppe mit Kinder / Erwachsenen ohne SARS CoV 2 Infektion hatten, gab es 2 Studien, die keine Unterschiede zwischen Covid Gruppe und Kontrollgruppe feststellen konnten. Lang andauernde Symptome bei den Infizierten gab es hier genauso häufig wie in der Kontrollgruppe ohne Infektion. Mit anderen Worten: Long Covid war hier nicht feststellbar.


Nach Prof. Curtis bestätigen die Ergebnisse, dass die Symptome bei Long Covid Patienten schwer von Pandemie assoziierten Symptomen aufgrund der Maßnahmen zu unterscheiden waren. Zu diesen zählen Lockdown, Schulschließung, soziale Isolation, fehlender Sport, fehlende Aktivitäten, kranke Angehörige Familie/ Freunde.


Metaanalyse von 14 Studien zu Long Covid

Petra Zimmermann, Laure F. Pittet, Nigel Curtis,  How Common Is Long COVID in Children and Adolescents? The Pediatric Infectious Disease Journal: September 16, 2021, https://journals.lww.com/pidj/Abstract/9000/How_Common_Is_Long_COVID_in_Children_and.95677.aspx
Petra Zimmermann, Laure F. Pittet, Nigel Curtis, How Common Is Long COVID in Children and Adolescents? The Pediatric Infectious Disease Journal: September 16, 2021,

Metaanalyse zeigt wie wichtig Kontrollgruppen sind


Die in der Tabelle oberen fünf Studien arbeiten mit Kontrollgruppe, die unteren neun ohne. Es gut zu sehen, wie unterschiedlich die Ergebnisse von lang anhaltenden Covid Symptomen ausfallen. Sie schwanken von 0% bis 66%. Der Grund hierfür dürfte durch die unterschiedliche methodische Herangehensweise und durch methodische Artefakte bedingt sein.


Erst durch die Kontrollgruppe bzw. durch den Unterschied zwischen Covid- und Kontrollgruppe wird sichtbar, wie hoch der Covid-Anteil wirklich ist.


In der UK Studie von Stephenson z.B. ist zu sehen, dass 66% der Personen lang anhaltende Symptome aufwiesen, 53% der Kontrollgruppe aber eben auch. Ohne Kontrollgruppe wäre folglich so ein Wert viel zu hoch interpretiert worden. Die Studien ohne Kontrollgruppe sind deshalb gerade bei so schwach operationalisierten Zuständen wie bei Long Covid und bei so unterschiedlichen Erhebungsmethoden mit großer Vorsicht zu genießen. Leider sind Studien ohne Kontrollgruppen die Regel. Eine massive Überschätzung der Symptome ist so leicht möglich.


Folgende häufige lang andauernde Symptome wurden 4-12 Wochen nach einer akuten Covid Erkrankung berichtet:


Kopfschmerzen

Müdigkeit

Schlafstörungen

Konzentrationsschwierigkeiten

Bauchweh


Die Symptome dauerten selten länger als 12 Wochen.

  • Long Covid Symptome sind schwierig von Pandemie assoziierten Symptomen zu unterscheiden.

  • In 2 von 5 Studien mit Kontrollgruppe, waren lang andauernde Symptome genauso häufig bei Kindern und Erwachsenen wie ohne SARS CoV 2 Infektion zu finden.

  • Viele Studien hatten eine niedrige Antwortrate (teilweise nur 13%), dies kann zu fehlerhaften Annahmen bzw. zu einer Überschätzung der Long Covid Häufigkeit aufgrund solcher methodischer Bias führen.


Es reichte bereits 1 Symptom, welches nach 12 Wochen noch vorhanden war, um als Long Covid Fall eingestuft zu werden. Die oben aufgeführten Symptome sind zudem wenig spezifisch. Long Covid beschreibt nach dieser Definition einen Zustand nach 3 Monaten und darf nicht zwangsläufig mit lebenslanger Einschränkung gleich gesetzt werden.


Prof. Nigel Curtis fordert aufgrund der vielen systematischen Untersuchungsfehler Studien, die mit Kontrollgruppen arbeiten.


Wichtig: Die Studien sollten Kontrollgruppen auch mit anderen Infektionen und Kontrollgruppen mit Hospitalisierung einbeziehen um einen realistischen Vergleich zu ermöglichen.

Nigel Curtis auf Twitter am 17.09.21

https://twitter.com/nigeltwitt/status/1438686203985874944
https://twitter.com/nigeltwitt/status/1438686203985874944

Prof. Nigel Curtis fasst die Ergebnisse der ONS Studie wie folgt zusammen:

"True risk is likely to be nearer 1 in 100 than often quoted 1 in 7."

Der Vergleich der Ergebnisse (roter Rahmen) bei der Covid- und der Kontrollgruppe zeigt, dass bei Kindern zwischen 2 und 11 Jahren Symptome häufiger in der Kontrollgruppe nach 12 Wochen vorkommen (4,1% gegenüber 3,2% in der Covidgruppe). Bei Kindern 12 bis 16 Jahre, waren es mehr Kinder aus der Covidgruppe, der Unterschied lag nur bei 1,7%.


Wir wissen aus Statistiken, dass Kinder von Covid extrem wenig betroffen sind. Und wenn Kinder infiziert werden, bleiben die Verläufe entweder ganz ohne Symptome - oder falls doch, sind die Symptome sehr leicht und milde. Offensichtlich dauern nun auch die Symptome bei den 2 bis 11 Jährigen nicht lange an. Bei den 12-16 Jährigens gibt es noch mindestens 1 Symptom bei nur 1,7% der Infizierten nach 3 Monaten. Wie das nach 6 Monaten oder länger aussieht, ist eine ganz andere Frage.



Ciao-Corona-Studie - Wenig Symptome vereinbar mit Long Covid


Auch die Schweizer haben sich intensiv mit Covid bei Kindern beschäftigt.

Die Studie Ciao-Corona der Universität Zürich hat zum dritten Mal 2.500 Kinder aus 275 Klassen und 55 Schulen auf Antikörper gegen das neue Coronavirus getestet. Antikörper im Blut sind der Beleg für eine durchgemachte Infektion. Die grosse Mehrheit der Schülerinnen und Schüler machte bei allen Testrunden (Sommer 2020, Herbst 2020, Frühling 2021) mit.


Das erlaubt einen aussagekräftigen Langzeitvergleich.


Unter den 6- bis 16-jährigen Kindern und Jugendlichen berichteten 9 % der Covidfälle versus 10 % der Kontrollgruppe ohne Covid über mindestens ein Symptom über 4 Wochen hinaus.


Nach 12 Wochen hatten 4 % der Kinder mit Covid versus 2 % der Kinder ohne Covid noch mindestens ein Symptom. Daraus folgt, dass Long Covid nur bei 2% der Kinder, die einmal symptomatisches Covid hatten, vorkommt.


Keines der untersuchten Kinder wurde im Verlauf der Erkrankung hospitalisiert.


Auch in Deutschland sprechen die sehr niedrigen Hospitalisierungs-Raten und die extrem niedrigen Intensivstation-Fälle bei Kindern für geringes Risiko bei Kindern. Wir berichteten über das geringe Risiko für Kinder.

Transparenztest Resümee

Bereits die britische ONS Studie zeigt, dass das Vorkommen von sogenannten Long Covid viel seltener vorkommt als bislang angenommen wurde. Der Grund für diese Überschätzung liegt offensichtlich an methodischen Mängeln der Studien. Erst bei Verwendung von Kontrollgruppen, repräsentativer Auswahl und besser definierter Long Covid Definition können die tatsächlichen Covid Einflüsse realistisch abgeschätzt werden.


Die neuen Studien, UK ONS, Australische Metaanalyse und die Schweizer Ciao-Corona-Studie weisen darauf hin, dass das Long Covid Risiko bei Kindern noch mal niedriger liegen dürfte. Bei 2-11 Jährigen scheint es nahe Null zu liegen, bei 12-16 Jährigen bei etwa 2%. Die Definition Long Covid bezieht sich dabei auf das Vorhandensein von mindestens einem Symptom 12 Wochen nach Infektion.


Für die Zukunft wird es bei der Bewertung von Long Covid wichtig sein, vor allem auf gutes Studiendesign mit Kontrollgruppe und methodisch sauberer Vorgehensweise zu achten.

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Quellen: